[Home] MITTWOCH, 25. SEPTEMBER 2002 POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN / SEITE 11 [Aktuelles]

[Geschichte]

,,Das Ganze scheitert nicht mehr"

[Galerie]
Spenden ermöglichen Sanierungsbeginn der Marienquelle / Rosetten stark beschädigt
[Wiederaufbau] [Gästebuch]
 

YVONNE ZITZMANN

,,Das ist ja ein mittleres Verkehrschaos", sagte der amtierende Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) angesichts der parkenden Autos an der Straße zwischen Potsdam und Caputh. Damit berührte er zugleich das größte Problem der an der Templiner Chaussee gelegenen Marienquelle, deren Sanierungsbeginn gestern offiziell mit Sponsoren, beteiligten ortsansässigen Unternehmen und Gästen gefeiert wurde.
     Die Lage des Naturdenkmals inmitten eines Landschaftsschutzgebietes erschwert die Aussichten für eine Haltebucht, so Matthias Gundel, Potsdamer Unternehmer und Hauptinitiator der Sanierung des vom Verfall bedrohten Ziegelmauerwerks. Trotzdem ist er optimistisch. ,,Die Denkmäler der Stadt bedürfen mehr Aufmerksamkeit", sicherte Jann Jakobs ihm seine Unterstützung zu. Das derzeitige Stadtoberhaupt war auf die ,,Grotte" erst durch die Einladung zur Spendenfeier aufmerksam geworden und wusste nicht einmal, dass sie noch in seinem Zuständigkeitsbereich liegt.

 

Die Marienquelle, erbaut nach einem Vorbild des Grabes der Maria im Kidrontal in Jerusalem, liegt mitten im Revier Caputh des Landeswaldgebietes. Der zuständige Revierleiter Wolfgang Borowski kommt seit 35 Jahren jeden zweiten Tag an der versiegten Quelle vorbei und ihn erstaunt es, dass erst jetzt auf die Rettung der Quelle gedrängt wird.
     ,,Hätten wir nicht regelmäßig trockene Bäume und Äste entfernt, wäre alles längst zugewuchert." Dabei handele es sich zwar um einen natürlichen Vorgang, so der Förster, aber trotzdem begrüße er den Baustart.
     Für Heinz Hüller war es selbstverständlich, sich mit seiner Tischlerei an den Kosten zu beteiligen. Der gebürtige Caputher fuhr schon als Kind mit dem Fahrrad an der einstigen Wildtränke vorbei. ,,Ich dachte früher, die Quelle sei das Überbleibsel eines englischen Schlosses. Meine Großeltern erzählten, dass eine Prinzessin mit ihrer Kutsche dort versunken ist."

[Spenden]
[Sponsoren]
[Aktuelles]

VERWUNSCHEN wirkt die stark verwitterte Marienquelle.

Die Geldsorgen für die Sanierung scheinen inzwischen überschaubar zu sein, trotzdem sind Spenden nach wie vor erwünscht. Gundel: ,,Das Ganze wird nicht mehr scheitern." Der Restbetrag zu den erforderlichen Gesamtkosten in Höhe von 75 000 Euro wird notfalls von ihm und der Tischlerei Hüller & Lüdecke aufgefüllt.
     Bis die Portalfassade aus dem 19. Jahrhundert wiederhergestellt ist, werden noch eineinhalb Jahre und drei Bauphasen verstreichen.

     ,,Zuerst wird die jetztige Substanz gesichert", sagte Baudenkmalpfleger Roland Schulze. In der zweiten Phase findet die eigentliche Mauerwerkskonstruktion statt. Unter anderem werden Ziegel getauscht, die entweder aus der Glindower Ziegelei oder als Abrisssteine geholt werden. Erst zum Schluss geht es um die Ästhetik, werden Ornamentik, Säulen und Rosetten saniert. Und damit wird es höchste Zeit. ,,Wenn auch die letzte, stark beschädigte Rosette nicht bald gerettet wird, wissen wir nicht mehr, wie sie im Original aussah," so Schulze.


weitere Artikel:

- Marienquelle fast fertig (04.11.2003)

- Arbeiten an Mareienquelle gestartet (16.8.2003)

- Ein brandenburgisches Kidron (25.9.2002)

- Beginn der Sanierung (21.8.2002)

- Rettung der Marienquelle (15.6.2002)

- Rettung für marode Marienquelle (23.3.2002)